ASD + Kindeswohl in Essen: Diskussion mit Ratsvertretern

Am Abend des 7. März 2018 hat im Gewerkschaftshaus Teichstr. die Informationsveranstaltung zum Thema „Kindeswohlgefährdungen in Essen – Arbeitssituation im ASD“ stattgefunden.

Die Ratsfraktion des EBB war durch die Herren Manfred Gunkel und Josef Förster vertreten, die Grünen durch Ratsfrau Irmgard Krusenbaum, die Linke durch Ratsfrau Ezgi Güyildar und die SPD durch Ratsfrau Julia Jankovic. Durch ein bedauerliches Missverständnis war die CDU leider nicht vertreten … das Gespräch wird aber auf jeden Fall nachgeholt, wurde uns versichert.

 

für die Ratsfraktion des EBB: Manfred Gunkel (links) und Josef Förster

für die Ratsfraktion der Grünen: Irmgard Krusenbaum

Julia Jankovic (links) für die Ratsfraktion der SPD – Ezgi Güyildar für die Ratsfraktion der Linken (rechts)

Martina Peil stellte eingangs dar, warum diese Veranstaltung stattfindet: ver.di sucht den Dialog mit den Ratsparteien, um auf diesem Wege unsere Sicht auf die Arbeitsplatzsituation der Kolleginnen und Kollegen in den kommunalpolitischen Raum hinein zu kommunizieren.

An Themen haben wir keinen Mangel – beginnen wollten wir diesen kommunalpolitischen Dialog mit Bezug auf die Korrespondenz mit dem Beigeordneten Peter Renzel, der ja auf unserer Webseite dokumentiert ist.

In unserem Brief an Herrn Renzel vom August letzten Jahres hatten wir – bezugnehmend auf Medienberichte zur Zunahme von  Kindeswohlgefährdungsmeldungen in Essen – u.a. gefragt:

Wann wurde im Allgemeinen Sozialen Dienst der Stadt Essen zuletzt ein Personalbemessungsverfahren durchgeführt?


- Wie waren die Ergebnisse? 

–  Wie schätzen Sie die aktuelle Belastung der eingesetzten Fachkräfte ein?

–  Wenn Sie, wie wir, eine hohe Belastung für die Beschäftigten im ASD sehen sollten: Wie kann dieser Belastung auch im Sinne des Tarifvertrags zum betrieblichen Gesundheitsschutz adäquat entgegengewirkt werden?

Noch gerade rechtzeitig am Tag vor der Veranstaltung erreichte uns die Antwort von Herrn Renzel  auf unser erneutes Schreiben vom Januar diesen Jahres.

Die Zahlen, mit denen Herr Renzel argumentiert, konnten wir deshalb mit den Zahlen vergleichen, die ver.di aus den amtlichen Statistiken der landeseigenen Datenbank von IT NRW bezogen hat.

Herr Renzel spricht z.B. von 455 Inobhutnahmen in 2016. Die amtliche Zahl dagegen ist bedeutend höher – nämlich 626 (… wohlgemerkt ohne unbegleitete minderjährige Flüchtlinge).

Weiter: Herr Renzel spricht von einem „Personalzuwachs“ in den Sozialen Diensten. Wir stellen dagegen eine Verringerung der Stellen für die BASISarbeit im ASD fest. Wir haben an diesem Abend deutlich hervorgehoben, dass es uns auf diejenigen Stellen ankommt, an denen die konkrete „Arbeit mit den Menschen“, also mit den Kindern, Jugendlichen und ihren Familien, stattfindet. Im Jahre 2005 hatten wir in Essen noch 125 Stellen für die BASISarbeit im ASD …

Die Diskrepanz zwischen den Zahlen ist bemerkenswert. Der Einfachheit halber stellen wir hier den Brief von Herrn Renzel mit unseren Anmerkungen dar.räsentation-ver.di_7.3.2018.

(Der in der Vorlage erwähnte Pkt 5: "Belastungsanzeigen" kam an dem Abend nicht mehr zur Diskussion).

Deutlich wird auch, dass Essen von der bundes- und landesweiten Entwicklung (Stellenzuwachs im ASD seit 2010 um 14 %) abgekoppelt ist.

All’ das sind Zahlen und Fakten, über die wir nicht einfach hinweggehen können, wenn wir angemessen über die Situation an den Arbeitsplätzen im Essener ASD sprechen wollen.

Wir konnten feststellen, dass es auch den Ratsmitgliedern wichtig ist, die Diskrepanz zwischen den amtlichen Zahlen und den Zahlen, die Herr Renzel kommuniziert, zu klären.

Herr Förster vom EBB wies darauf hin, dass diese Klärung dringend geboten ist, weil die Diskussion über den kommunalen Haushalt in Kürze beginnt und sich bis zum Herbst hinziehen wird.

Wir haben auch deutlich gemacht, dass es in Essen keine offen gelegten, nachvollziehbaren Kriterien für die Personalbemessung im ASD gibt.

Dies und die Abweichungen bei den Zahlen sind die „Brennpunkte“, auf die sich die künftige Diskussion konzentrieren sollte. Hierbei geht es allerdings nicht nur um Zahlen, sondern auch um die Qualität der geleisteten Arbeit: Der kommunale Sozialstaat benötigt einen auskömmlich ausgestatteten Allgemeinen Sozialen Dienst, der sozialräumlich aufgestellt, mit professionellen und lebensweltlichen Akteuren gut vernetzt und für die AdressatInnen leicht erreichbar ist. So entfaltet er die Wirksamkeit, auf die die BewohnerInnen in dieser Stadt – gerade die kleinen und nicht so mächtigen – Anspruch haben.

Martina Peil sagte abschließend, dass diese Diskussionsrunde keine Einmalveranstaltung sein soll. ver.di möchte den Dialog verstetigen und auf weitere Themen ausweiten.

Wir hatten den Eindruck, dass dieser Abend ein gelungener Auftakt für weitere Diskussionsrunden war.

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