Profit oder Gemeinwohl?

„Seit den 1990er-Jahren sind auch privatwirtschaftliche Unternehmen auf dem Pflegemarkt aktiv, um Renditen zu erwirtschaften. Die Menschen bleiben dabei auf der Strecke, sagen Vertreter der Wohlfahrtspflege.“

… so der Vorspann eines Artikels auf Deutschlandfunk.

Man lese diesen Artikel in Zusammenhang mit diesem über die Zahnarztbranche – dann wissen wir, in welchem Land wir leben und was noch auf uns zukommt …

 

Ein Gedanke zu „Profit oder Gemeinwohl?“

  1. Ja- da könnte man meinen – private Unternehmer sind für diese Verwerfungen allein verantwortlich- so ganz einfach ist aber (leider) nicht.

    Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbands privater Anbieter von Pflegedienstleitungen, stellte sich vor ca. einem halben Jahr den Vorwürfen bezgl. Profitgier seiner Branche in einer bekannten ARD-Sendung .

    Dabei bestätigte er grundsätzlich das Renditestreben der Unternehmer und konfrontierte Karl Lauterbach, dem Gesundheits-und Pflegeguru der SPD, mit zwei Fragen, die dieser nicht beantworten konnte bzw. wollte:

    1.) Wieviel % der stationären Neuplätze im Pflegebereich wurden in den letzten 10 Jahren durch private Anbieter mit welchem Finanzvolumen gebaut ?
    Antwort: ca. 80% und ca. 1 Milliarde Euro

    2.) Wenn man dies kritisiert – vorallem dass die Finanzgeber Rendite erzielen wollen – warum hat der Staat z.B. den Wohfahrtsverbänden dieses Geld nicht zur Verfügung gestellt, damit diese Neuplätze schaffen können ?

    Der (Sozial-)Staat zieht sich auf bestimmten Gebieten immer weiter zurück , öffnet Tür und Tor für die sog. Marktkräfte und kritisiert dann die sich daraus zwingend ergebenden Verwerfungen.
    OK-Wir müssen die privaten Unternehmer nicht bedauern, aber dies gehört zur Klarstellung auch dazu.

    Und wenn dies alles nicht schon schlimm genug wäre, wird diese Zustandsbeschreibung noch durch eine – mir bislang nicht bekannte -gesetzliche Detailregelung im SGB XI getoppt:

    Die Zahlung von TARIFLÖHNEN im ambulanten Pflegebereich gilt bislang als UNWIRTSCHAFTLICH – weil zu teuer . Ja-ihr habt richtig gehört; die Bezahlung von staatlichen Pflegedienstleistungen – durch Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern -kann nur untertariflich erfolgen.

    Trotz besseren Wissens appelliert oder besser heuchelt die Politik vergeblich, dass u.a. die Löhne steigen müssen, um den Personalmangel in diesem Bereich entgegen zu wirken. Dabei müssen sie erst ein Mal die bisher geltenden gesetzlichen Regelungen reformieren, die sie selber geschaffen haben.

    WAS KÖNNEN WIR TUN oder ist alles wieder ein Mal ALTERNATIVLOS ??? Mitnichten- ein(e) jede(r) darf seine Landtags-und Bundestagsabgeordneten zu deren Haltung befragen. Und zwar zu allem, was Euch im Bezug auf (Sozial-)Politik wichtig.

    Und ja- auch das heißt wieder „aufstehen“ zu müssen, sich bewegen, Briefe/Mails schreiben und Gespräche führen etc. Wenn es nur genug tun, können wir vielleicht etwas verändern – zumindest Schlimmeres verhindern.

    Denn die „Gegenseite“ arbeitet tagtäglich daran, dem Politikbetrieb mit ihren Haltungen , die zumeist nicht von Vorteil für BürgerInnen/Arbeitnhemern sind, zu befeuern.

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