Klatschen alleine reicht nicht

 

Die Bilder haben wir noch in Erinnerung: Sogar die Abgeordneten des Deutschen Bundestages standen auf und klatschten. Sie klatschten, um ihren „Beifall“ zu bekunden für all‘ die Leute, die „den Laden am Laufen gehalten haben“ in den ersten Wochen der Corona-Krise.
Erinnern wir uns – wie war es hier in Essen?
Die Kfz Zulassung funktionierte (zumindest für Betriebe), der kommunale Ordnungsdienst sorgte für Recht und Ordnung auf den Straßen, Bauanträge wurden weiter bearbeitet, die kommunale Finanzwirtschaft lief weiter – ebenso die Poststelle und die EDV. Die Vorstände hatten alle Hände voll zu organisieren, die Feuerwehr war rund um die Uhr bereit.
Ganz abgesehen von den Erzieherinnen, die den Kontakt zu „ihren“ Kindern gehalten und sogar Päckchen verschickt haben. Die Kolleg/innen im ASD hielten unter komplizierten Bedingungen Verbindung zu Familien. Auch der Grugapark wurde in Schuss gehalten, Bäume wurden gepflegt und Beerdigungen fanden auch statt.
Eine „gefühlte Ewigkeit“ ist es schon her, dass Worte wie „systemrelevant“, „Respekt“ und „Solidarität“ plötzlich in aller Munde waren und „Helden des Alltags“ gefeiert wurden.

Und wir hören noch die Worte, das dieser Einsatz angemessen honoriert werden müsse. Das haben wir auch „für bare Münze genommen“ … im wahrsten Sinne des Wortes.
Zur gleichen Zeit, Mitte Juni, war es auch, dass ver.di den Arbeitgebern des Öffentlichen Dienstes vorgeschlagen hat, den Beginn der Tarifrunde im Herbst gegen eine Einmalzahlung zu verschieben. Wir wollten Rücksicht nehmen auf die angespannte Situation im öffentlichen Dienst.
Die Arbeitgeber waren jedoch zu keiner Verständigung bereit.
Ziemlich dreist, dachten wir, aber dann kam die Ferienzeit und jetzt muss die Tarifrunde doch durchgefochten werden – eine Situation, die mit der Gesprächsbereitschaft der Arbeitgeber vermeidbar gewesen wäre.
Wir haben den Eindruck, dass die Arbeitgeber glauben, sie könnten die Sommerpause, die schlechte Stimmung im Lande, die „Corona-Müdigkeit“ großer Teile der Bevölkerung ausnutzen, um es den Gewerkschaften „mal so richtig zu zeigen“.
Dass sie darauf spekulieren, dass unsere Entschlossenheit durch diese ungünstigen Rahmenbedingungen nicht allzu groß ist.
Dass sie darauf spekulieren, dass die „Öffentlichkeit“ schon kein Verständnis dafür haben wird, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst „jetzt auch noch“ Gehaltserhöhungen fordern.
Wo sind sie … die schönen Worte von „Respekt“ und „Wertschätzung“?
Schon vergessen?
Wir haben sie nicht vergessen, und deshalb hat die Bundestarifkommission von ver.di die Forderung von 4,8 % mehr Lohn und Gehalt auf den Tisch gelegt

>>> hier der Link zum Dokument

Sorgen wir gemeinsam dafür, dass diese Forderung in die Betriebe und -Dienststellen getragen wird, die Zustimmung der Kolleginnen und Kollegen gewinnt … und die Spekulation der Arbeitgeber sich in Luft auflöst.

Foto: pixabay