Probleme in NRW-Kitas

Presseinformation von ver.di NRW

ver.di mahnt: Massenhaft Sozialkontakte ohne ausreichenden Schutz in OGS und Kitas – solidarische Unterstützung sieht anders aus

Düsseldorf, 24. März 2020

Seit dem Wochenende schlagen die Wellen in den NRW-Kitas hoch, nachdem am Freitagnachmittag bekannt wurde, dass die bestehende Regelung zum Anspruch auf Notbetreuung in den Kitas erweitert wird. Einen Anspruch auf Notbetreuung haben laut NRW-Schulministerium alle Beschäftigten unabhängig von der Beschäftigung des Partners oder der Partnerin, die in kritischen Infrastrukturen beschäftigt sind, dort unabkömmlich sind und eine Betreuung im privaten Umfeld nicht gewährleisten können. Bei ver.di melden sich nun zahlreiche verunsicherte Erzieherinnen und Erzieher, die eine unvorbereitete Arbeitssituation vorfinden, die dazu führt, dass die Hauptprämisse „Sozialkontakte vermeiden“ völlig ad absurdum geführt wird.

Aus einzelnen Einrichtungen wird uns berichtet, dass nach der Ausweitung des Erlasses in den Kitas der Andrang so groß ist, dass es fast dem Normalbetrieb gleicht. Die Bildung kleiner Gruppen und die Vermeidung des Einsatzes von gesundheitlich gefährdeten Beschäftigten wird damit unmöglich gemacht. Aus vielen Einrichtungen erhalten wir die Nachricht, dass es keinerlei Schutzmaterial gibt, nicht einmal Schutzmasken, geschweige denn ausreichend Desinfektionsmittel“, mahnt die ver.di Fachbereichsleiterin Sabine Uhlenkott.

In den Kommunen seien viele Jugendämter von den Entscheidungen überrollt worden und konnten am Wochenende kaum Maßnahmen für ein geordnetes Verfahren vorbereiten. Außerdem seien die Personalräte in den Betrieben nicht beteiligt worden, um den Schutz der Kita-Beschäftigten zu kontrollieren.

„Auch das Kita-Personal ist bereit, in dieser außergewöhnlichen Situation einen solidarischen und notwendigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit des Gesundheits- und Pflegebereiches und der Versorgung der Bevölkerung zu leisten. Aber sowohl die Beschäftigten, als auch die in ihre Obhut gegebenen Kinder müssen geschützt werden, damit die einschneidenden Maßnahmen zur Beschränkung des öffentlichen Lebens wirken können und die Ausbreitung des Virus verlangsamt wird!“, so Uhlenkott weiter.

ver.di fordert, dass die Einrichtungen umgehend unterstützt werden. Die Arbeitgeber sind verpflichtet, die notwendige Fürsorge wahrzunehmen und die Einrichtungen mit Schutzmaterial auszurüsten. Die Beschäftigten, die der Risikogruppe (gemäß der Definition des Robert Koch-Instituts) angehören, sind besonders zu schützen und die zuständigen Interessenvertretungen zwingend in die Umsetzung des Erlasses einzubeziehen.

„Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit der Entscheidungen war der Schnellschuss der Landesregierung hier vollkommen unüberlegt. Dies werden wir auch noch einmal in einem Brief an Minister Stamp zum Ausdruck bringen“, so die Gewerkschafterin abschließend.

Für Rückfragen:   Sabine Uhlenkott | 0171 1858386

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